Agent-almanac interpret-nmr-spectrum

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NMR-Spektrum interpretieren

Interpretiere 1H- und 13C-NMR-Spektren systematisch durch Analyse chemischer Verschiebungen und Referenzwerte, Entschluesseln von Kopplungsmustern und Integration von Multidimensional-NMR-Korrelationen, um die vollstaendige Protonenumgebung und Kohlenstoffgeruest der Verbindung zu bestimmen.

Wann verwenden

  • Zuweisen von 1H- oder 13C-NMR-Signalen zu spezifischen Atomen in einer vorgeschlagenen Struktur
  • Ableiten von Konnektivitaet und Funktionsgruppen aus Spektraldaten, wenn die Struktur unbekannt ist
  • Unterscheiden zwischen Strukturisomeren auf Basis von Spektralunterschieden
  • Kombinieren von NMR mit IR-, MS- und UV-Daten fuer vollstaendige Strukturaufklaerung
  • Verifizieren der Reinheit einer synthetisierten Verbindung durch Spektralvergleich

Eingaben

  • Erforderlich: 1H-NMR-Spektrum mit chemischen Verschiebungen (ppm), Multiplizitaeten und relativen Integralen
  • Erforderlich: Molekuelformel oder Molmasse (fuer Berechnung des Ungesaettigtheitsgrads)
  • Optional: 13C-NMR-Spektrum mit oder ohne DEPT-Daten
  • Optional: 2D-NMR-Daten (COSY, HSQC, HMBC) fuer komplexe Strukturen
  • Optional: Loesungsmittel und Temperatur der Messung

Vorgehensweise

Schritt 1: Molekuelformel und Ungesaettigtheitsgrad berechnen

Ermittle den Ungesaettigtheitsgrad (DoU) aus der Molekuelformel, bevor Spektren interpretiert werden:

  1. DoU-Formel: DoU = (2C + 2 + N - H - X) / 2, wobei C = Kohlenstoffe, H = Wasserstoffe, N = Stickstoff, X = Halogene, O und S werden ignoriert.
  2. Interpretation des DoU-Werts:
    • DoU = 0: acyclisch, keine Mehrfachbindungen
    • DoU = 1: eine Ringstruktur oder eine Doppelbindung
    • DoU = 4: Benzolring (3 Doppelbindungen + 1 Ring) oder bicyclisches System
    • DoU >= 5: aromatisches System oder mehrere ungesaettigte Einheiten
## Ungesaettigtheitsgrad
- Molekuelformel: [Formel]
- Berechnung: DoU = (2*[C] + 2 + [N] - [H] - [X]) / 2 = [Wert]
- Interpretation: [Schlussfolgerungen ueber Ringe und Mehrfachbindungen]

Erwartet: Ein DoU-Wert der die Anzahl moeglicher Strukturmotive einschraenkt und aromatische Systeme ausschliesst oder einschliesst.

Bei Fehler: Falls die Molekuelformel aus anderen Spektraldaten abgeleitet werden muss, bestimme zuerst die Molmasse aus dem Massenspektrum und pruefe typische Isotopenverteilungen auf Halogene.

Schritt 2: 1H-NMR-Signale chemischen Umgebungen zuweisen

Analysiere jeden Peak im 1H-Spektrum systematisch:

  1. Chemische Verschiebungsbereiche:
    • 0-2 ppm: Alkylprotonen (CH3, CH2, CH) an gesaettigten Kohlenstoffen
    • 2-3 ppm: Protonen benachbart zu Carbonyl- oder Arylgruppen
    • 3-5 ppm: Protonen an sauerstofftragendem Kohlenstoff, allylische Protonen
    • 5-6 ppm: Vinylprotonen (C=C-H)
    • 6-9 ppm: Aromatische Protonen
    • 9-10 ppm: Aldehydprotonen
    • 10-13 ppm: Carbonsaure-, Phenol- oder stark chelatisierte OH-Protonen
  2. Integrale: Relative Integrale entsprechen der Protonenanzahl. Normiere auf die kleinste eindeutige Einheit und skaliere entsprechend der Molekuelformel.
  3. Multiplizitaet und Kopplungsmuster: Wende die n+1-Regel an fuer aequivalente benachbarte Protonen; bei komplexen Systemen zaehle alle koppelnden Partner.
## 1H-NMR-Zuweisungen
| δ (ppm) | Multiplizitaet | Integral | J (Hz) | Zuweisung |
|---------|----------------|---------|--------|-----------|
| [ppm]   | [s/d/t/q/m]    | [zahl H]| [wert] | [Proton]  |

Erwartet: Jedes Signal ist einer Protonenkategorie zugewiesen; das Gesamtintegral stimmt mit der Molekuelformel ueberein.

Bei Fehler: Falls Signale ueberlappen, nutze 2D-COSY um Kopplungspartner zu identifizieren, oder aendere das Loesungsmittel um Signaltrennung zu verbessern.

Schritt 3: 13C-Signale und DEPT interpretieren

Ordne jeden Kohlenstoffpeak seiner Hybridisierung und Substitution zu:

  1. Chemische Verschiebungsbereiche fuer 13C:
    • 0-50 ppm: sp3-Kohlenstoffe (Alkyl)
    • 50-90 ppm: Kohlenstoffe mit elektronegativen Substituenten (C-O, C-N, C-X)
    • 100-150 ppm: sp2-Kohlenstoffe (Vinyl, Aryl) und Alkinkohlenstoffe
    • 160-220 ppm: Carbonylkohlenstoffe (Ester/Saeure ~170, Aldehyd/Keton ~200)
  2. DEPT-Analyse:
    • DEPT-135 positiv: CH und CH3
    • DEPT-135 negativ: CH2
    • Kein Signal in DEPT aber im 13C-Breitbandentkopplungsspektrum: quaternaerer C
  3. Zaehle unterschiedliche Kohlenstoffe und vergleiche mit der Formel. Symmetrie reduziert die Signalanzahl.

Erwartet: Alle Kohlenstofftypen (CH3, CH2, CH, C) identifiziert, mit Karbonil- und aromatischen Kohlenstoffen zugeordnet.

Bei Fehler: Falls weniger 13C-Signale als erwartet vorliegen, pruefe auf Symmetrie oder ueberlagernde Peaks. Hoeheres Magnetfeld oder DEPT-Experimente koennen helfen.

Schritt 4: Konnektivitaet aus 2D-NMR ableiten

Nutze COSY, HSQC und HMBC um das Kohlenstoffgeruest aufzubauen:

  1. COSY (1H-1H): Identifiziert geminale und vicinale Protonenkopplungen. Jeder COSY-Kreuzpeak verbindet Protonen an benachbarten Kohlenstoffen.
  2. HSQC (1H-13C, one-bond): Korreliert jedes Proton direkt mit seinem gebundenen Kohlenstoff. Essentiell bei Signalueberdeckung.
  3. HMBC (1H-13C, long-range): Zeigt 2-3-Bindungskorrelationen. Entscheidend fuer quaternaere Kohlenstoffe und Konnektivitaet ueber Heteroatome.
## 2D-NMR-Konnektivitaet
| Korrelation | Typ | Implikation |
|-------------|-----|-------------|
| H[a]-H[b] COSY | vicinal | C[a]-C[b] verbunden |
| H[x]-C[y] HMBC | 2-3 Bindungen | Geruest-Konnektivitaet |

Erwartet: Ein Konnektivitaetsdiagramm, das das vollstaendige Kohlenstoffgeruest mit Heteroatompositionen zeigt.

Bei Fehler: Falls HMBC-Korrelationen widerspruechen, pruefe auf Signalaliasing in der indirekten Dimension oder vergiss keine alternativen Konnektivitaeten durch Bindungsrotation.

Schritt 5: Struktur zusammenfuehren und verifizieren

Kombiniere alle Spektralinformationen zur finalen Strukturaussage:

  1. Schreibe Teilstrukturen aus sicheren Zuweisungen und verbinde sie.
  2. Pruefe die Konsistenz: Stimmt jede Verschiebung mit der vorgeschlagenen Umgebung ueberein? Erklaert der DoU alle Ringstrukturen und Mehrfachbindungen?
  3. Vergleiche mit Literaturdaten oder Spektraldatenbanken (SDBS, HMDB, NMRShiftDB).
  4. Bericht verfassen: Dokumentiere alle Zuweisungen mit Begruendung.

Erwartet: Eine eindeutige Strukturformel, die alle Spektraldaten erklaert, mit vollstaendiger Zuweisung jedes Signals.

Bei Fehler: Falls mehrere Strukturen die Daten erklaeren, liste alle als Kandidaten auf und ermittle das diskriminierendste Experiment (z.B. NOE, spezifisches HMBC) zur Unterscheidung.

Validierung

  • DoU berechnet und mit Strukturmerkmalen abgeglichen
  • Alle 1H-Signale chemischen Umgebungen zugewiesen
  • Integrale stimmen mit Molekuelformel ueberein
  • Alle 13C-Signale klassifiziert (CH3/CH2/CH/C)
  • Konnektivitaet durch COSY/HMBC bestaetigt (falls verfuegbar)
  • Vorgeschlagene Struktur erklaert alle beobachteten chemischen Verschiebungen
  • Struktur mit Literaturdaten oder Datenbank verifiziert

Haeufige Stolperfallen

  • Verwechslung von chemischer Verschiebung und Integral: Die Position gibt die Umgebung an, das Integral die Protonenanzahl. Beide muessen konsistent mit der Formel sein.
  • Ignorieren von Loesungsmitteleffekten: Loesungsmittelpeak (z.B. CDCl3 bei 7,26 ppm) nicht mit Probenpeaks verwechseln; OH/NH-Signale sind loesungsmittelabhaengig.
  • Fehlinterpretation komplexer Multiplizitaeten: Bei mehr als zwei Kopplungspartnern entstehen Multipletts; nicht alle Linien entsprechen n+1-Aufspaltung.
  • Uebersehen quaternaerer Kohlenstoffe: Diese erscheinen im 13C-Spektrum, aber nicht in DEPT. Fehlende Kohlenstoffe im DEPT deuten auf quaternaere Zentren hin.
  • Voreilige Strukturzuweisung: Pruefe immer alle moeglichen Strukturen, nicht nur die erste plausible.

Verwandte Skills

  • interpret-ir-spectrum
    -- ergaenzende Identifizierung funktioneller Gruppen aus IR-Daten
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    -- Auswahl geeigneter Spektroskopiemethoden vor der Messung