Agent-almanac interpret-uv-vis-spectrum

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UV-Vis-Spektrum interpretieren

Interpretiere UV-Vis-Absorptionsspektren durch Analyse von Absorptionsmaxima (lambda_max), Extinktionskoeffizienten und Bandenformen zur Charakterisierung von Chromophoren, Konjugationssystemen und Verbindungsklassen.

Wann verwenden

  • Identifizieren von Chromophoren und dem Grad der pi-Konjugation
  • Bestimmen der Konzentration einer Probe per Lambert-Beerschem Gesetz
  • Unterscheiden elektronischer Uebergangstypen (pi-pi*, n-pi*, d-d-Uebergaenge)
  • Anwenden empirischer Regeln (Woodward-Fieser) zur Vorhersage von lambda_max
  • Unterstuetzen der Strukturaufklaerung organischer Verbindungen

Eingaben

  • Erforderlich: UV-Vis-Spektrum mit Absorptionswellenlange (nm) und Extinktion oder Transmission
  • Erforderlich: Loesungsmittel und Probenkonzentration (falls Extinktionskoeffizient berechnet werden soll)
  • Optional: Schichtdicke der Kuvette (Standard: 1 cm)
  • Optional: Vergleichsspektren oder Literaturdaten

Vorgehensweise

Schritt 1: Absorptionsmaxima bestimmen und dokumentieren

Identifiziere alle Absorptionsmaxima im Spektrum:

  1. Nahes UV (200-400 nm): pi-pi*- und n-pi*-Uebergaenge organischer Verbindungen.
  2. Sichtbares Licht (400-700 nm): Ausgedehnte Konjugation, Uebergangsmetallkomplexe, organische Farbstoffe.
  3. Nahes Infrarot (700-1100 nm): Stark konjugierte Systeme, einige Porphyrine, Charge-Transfer-Komplexe.
## Absorptionsmaxima
| lambda_max (nm) | Extinktion A | Epsilon (L mol-1 cm-1) | Zuordnung |
|----------------|-------------|----------------------|-----------|
| [wert] | [wert] | [berechnet] | [Uebergang] |

Erwartet: Liste aller signifikanten Absorptionsmaxima mit zugehoerigen Extinktionswerten und Uebergangszuordnung.

Bei Fehler: Falls das Spektrum stark verrauscht ist oder die Grundlinie schlecht definiert, pruefe auf Loesungsmitteleigenschaften (Loesungsmittelcutoff) und Probenreinheit.

Schritt 2: Extinktionskoeffizient berechnen und Uebergangstyp bestimmen

Berechne den molaren Extinktionskoeffizienten und leite den Uebergangstyp ab:

  1. Lambert-Beersches Gesetz: A = epsilon * c * l, wobei A = Extinktion, c = Konzentration (mol/L), l = Schichtdicke (cm).
  2. Uebergangstyp nach epsilon:
    • epsilon > 10000 L mol-1 cm-1: erlaubter pi-pi*-Uebergang (Konjugation)
    • epsilon 100-10000 L mol-1 cm-1: pi-pi* mit geringer Symmetrieerlaubtheit
    • epsilon < 100 L mol-1 cm-1: verbotener n-pi*-Uebergang oder d-d-Uebergang
  3. Loesungsmitteleffekte: n-pi*-Banden verschieben hypsochrom (blauverschiebend) in polaren Loesungsmitteln; pi-pi*-Banden verschieben bathochrom (rotverschiebend).

Erwartet: Berechneter Extinktionskoeffizient und Zuordnung zum Uebergangstyp basierend auf epsilon-Groessenordnung.

Bei Fehler: Falls Lambert-Beer-Linearitaet verletzt ist (Konzentration zu hoch), verduenne die Probe auf A < 2 und wiederhole.

Schritt 3: Konjugationssystem analysieren

Leite Konjugationslaenge und Chromophorstruktur aus dem Spektrum ab:

  1. Woodward-Fieser-Regeln fuer Diene:
    • Basiswert homoannulares Dien: 253 nm; heteroannulares Dien: 217 nm
    • Pro zusaetzliche Konjugation (Doppelbindung): +30 nm
    • Pro Alkylsubstituent oder Ringrest: +5 nm
    • Pro Exocyclo-Doppelbindung: +5 nm
  2. Woodward-Regeln fuer alpha-beta-ungesaettigte Carbonyle:
    • Basiswert Cyclohex-2-enon: 215 nm
    • Pro alpha-Substituent: +10 nm; pro beta-Substituent: +12 nm
  3. Aromatische Verbindungen: Benzol zeigt Banden bei 204 nm (epsilon ~60000), 254 nm (epsilon ~200). Substituenten verschieben und intensivieren.

Erwartet: Vorhergesagter lambda_max-Wert aus empirischen Regeln, verglichen mit gemessenem Wert (Abweichung < 5 nm akzeptabel).

Bei Fehler: Bei groesserer Abweichung pruefe auf fehlende Substituenten, sterische Verdrillung des Konjugationssystems oder Ladungsuebertragungscharakter.

Schritt 4: Besondere Spektralphaaenomene interpretieren

Erkenne und erklaere ungewoehnliche Spektralmerkmale:

  1. Schultern: Vibrationsstruktur auf dem elektronischen Uebergang oder zwei nah beieinander liegende Uebergaenge.
  2. Bathochrome Verschiebung (Rotverschiebung): Laengere Konjugation, saurere Loesungsmittel (bei basischen Chromophoren), Deprotonierung.
  3. Hypsochrome Verschiebung (Blauverschiebung): Verkuerzung der Konjugation, verdrillete Konformation, polares protisches Loesungsmittel (n-pi*-Banden).
  4. Isobestischer Punkt: Gemeinsamer Schnittpunkt mehrerer Spektren bei Interkonversion zweier Spezies; wichtig fuer Gleichgewichts- oder Kinetikstudien.

Erwartet: Erklaerung aller auffaelligen Spektralmerkmale und deren physikalisch-chemische Ursache.

Bei Fehler: Falls isobestischer Punkt nicht auf einer Geraden liegt, liegt eine Dreikomponentenmischung oder eine Nebenreaktion vor.

Schritt 5: Zusammenfassung und strukturelle Schlussfolgerung

Erstelle eine strukturelle Schlussfolgerung aus den UV-Vis-Daten:

  1. Chromophoridentifizierung: Welche pi-Systeme oder Heteroatome erklaeren die beobachteten Absorptionen?
  2. Konsistenzpruefung mit NMR/IR: UV-Vis-Daten ergaenzen; z.B. bestaetigt ein grosses pi-pi*-Band bei 300 nm ausgedehnte Konjugation, die auch im NMR sichtbar sein sollte.
  3. Quantitative Bestimmung: Falls Konzentration gesucht, nutze Lambert-Beer bei bekanntem epsilon oder erstelle Kalibrierkurve.

Erwartet: Klare Aussage ueber Chromophorstruktur und Konjugationsgrad mit Begruendung.

Validierung

  • Alle Absorptionsmaxima dokumentiert und zugeordnet
  • Extinktionskoeffizienten berechnet und mit Literatur verglichen
  • Uebergangstyp (pi-pi*, n-pi*, d-d) anhand von epsilon bestimmt
  • Woodward-Fieser-Regel angewendet (falls konjugiertes System)
  • Loesungsmitteleffekte beruecksichtigt
  • Schlussfolgerung konsistent mit anderen Spektraldaten

Haeufige Stolperfallen

  • Lambert-Beer-Verletzung: Zu hohe Konzentration fuehrt zu Abweichung von Linearitaet; pruefe bei A > 2.
  • Loesungsmittel-Cutoff ignorieren: Polares aprotisches Loesungsmittel wie Acetonitril absorbiert unter 190 nm; Dichlormethan unter 240 nm.
  • n-pi- und pi-pi-Banden verwechseln**: Kleine epsilon-Werte (< 100) deuten auf n-pi*-Uebergang, auch wenn lambda_max im sichtbaren Bereich liegt.
  • Kuevettenreinheit: Fingerabdruecke oder organische Verunreinigungen auf der Kuvette fuehren zu zusaetzlichen Absorptionen.

Verwandte Skills

  • interpret-nmr-spectrum
    -- Konjugationssystem aus NMR bestaetigen
  • interpret-raman-spectrum
    -- ergaenzende Information zu pi-Systemen
  • plan-spectroscopic-analysis
    -- geeignete Methode auswaehlen